Wenn Sie Ihren Blick entlang der Stadtmauer schweifen lassen, werden Sie ein ungewöhnliches Gebäude entdecken. Es handelt sich um das barocke Haus unter dem Schiff, das von den früheren Bewohnern Laubans "Das Schiff" genannt wurde.
Der Name bezieht sich zum einen auf das Aussehen des gesamten Gebäudes, das an den umgedrehten Rumpf eines alten Segelschiffes erinnert. Zum anderen bezieht er sich auf das Flachrelief über der Eingangstür des Gebäudes, das ein Schiff auf stürmischer See zeigt. Das Flachrelief erinnert an die Zeit, wenn das lokale Produkt (Tuch) auf dem Seeweg in ferne Länder verschifft wurde.
Das Gebäude wurde 1715 von Johann Gottlieb Kirchhof, einem berühmten Tuchhändler aus Lauban, erbaut. In den 1920er Jahren schlug der Heimatforscher Fritz Bertram der Stadtverwaltung vor, das Gebäude als Stadtmuseum zu nutzen. Das entstehende Museum sollte die Geschichte der Textilindustrie in Lauban dokumentieren. Die ursprüngliche Raumaufteilung wurde beibehalten und die barocken Stuckaturen wurden umfassend restauriert. Im Erdgeschoss wurden Nachbildungen einer Kaufmannsstube und einer Textilwerkstatt eingerichtet. Im ersten Stock entstanden Wohnräume und eine Zunftstube, im Dachgeschoss eine Ausstellung zur Stadtgeschichte.
Heute ist das Gebäude Sitz des Finanzamtes.
Wissenswertes:
Einer der Besitzer des Denkmals, Johann Friedrich Rost, richtete in dem Gebäude ein Museum ein und erzählte den Besuchern unglaubliche Sagen. Er erzählte von unterirdischen Rendezvous zwischen Mönchen und Nonnen, von sich selbst bewegenden Wandmalereien, die wieder zum Vorschein kamen, wenn man sie entfernte, oder vom verborgenen Schatz der Stute. Erwähnenswert ist auch, dass im Haus unter dem Kirchenschiff die ersten postnatalen Bestattungen gefunden wurden (Tongefäße, die von den Ritualen der alten Laubaner zeugen). Wenn Sie sich für die Geschichte der alten Bräuche der Einwohner interessieren, empfehlen wir Ihnen den Besuch der thematischen Ausstellung im Regionalmuseum im Rathaus.
Ganz in der Nähe befand sich einst das Zgorzelecer Tor, eines der vier Stadttore. Gleich hinter der Stadtmauer und dem Stadtgraben erstreckte sich die Zgorzelecer Vorstadt, in der Anfang des 11. Jahrhunderts eine Kirche und später das Jakobshospital errichtet wurden. Auch ein Pilgerweg, der Jakobsweg, führt hier vorbei. Es gibt nur wenige Orte in Europa, an denen sich mehr als zwei Pilgerwege kreuzen. In Lauban, genauer gesagt im Stadtviertel Uniegoszcz an der Kirche Mariä Geburt, kreuzen sich gleich drei Pilgerwege: der niederschlesische Jakobsweg, die Via Regia (Königsweg) und die sudetische Via Cervimontana.
Wissenswertes:
Via Regia ist der Name der Königsstraße. Sie stand unter der Aufsicht des Herrschers, aber die Pflicht, sie in Ordnung zu halten, oblag den Eigentümern der anliegenden Grundstücke, die sich jedoch nicht um ihren Zustand kümmerten. Der Begriff Via Regia wurde erstmals 1732 von dem Laubaner Johann Friedrich Schwartz in seiner Dissertation eingeführt, die in einer der Vitrinen des Laubaner Museums zu sehen ist.